Gleitzeit in der Ausbildung – das sind die Vor- und Nachteile

Die Gleitzeit in der Ausbildung anzubieten, könnte ein enormer Motivationsfaktor für Azubis sein.

Allerdings ist sie auch nicht völlig unproblematisch. Azubis, die noch unter das Jugendarbeitsschutzgesetz fallen, unterliegen in Hinblick auf ihre Arbeitszeiten schließlich gewissen Bedingungen. Und dann wäre da ja auch noch die Frage, wie es um die Anwesenheit des Ausbilder bestellt ist, wenn wegen Gleitzeit in der Ausbildung jeder junge Mensch zu anderen Zeiten im Betrieb aufschlägt.

Grund genug für mich, sich mit der Gleitzeit in der Ausbildung eingehender auseinanderzusetzen. Hierzu möchte ich nicht nur die rechtlichen Fragen, bzw. Einschränkungen besprechen, sondern auch die jeweiligen Vor- und Nachteile von einer Gleitzeitregelung für Azubis zusammentragen.

Gleitzeit in der Ausbildung – wie funktioniert eine Gleitzeitregelung?

Mit Gleitzeit ist gemeint, dass Mitarbeiter innerhalb einer vom Betrieb festgelegten Zeitspanne grundsätzlich kommen und gehen dürfen, wann sie wollen. Oft gibt es so etwas wie eine Kernanwesenheitszeit, in der alle Mitarbeiter auf jeden Fall anwesend sein müssen. Gerade aber in den Stunden davor oder danach genießen die Angestellten die Freiheit, sich die Arbeit selbst einteilen zu dürfen.

Wer beispielsweise morgens immer früh wach ist und in der Frühe besonders effektiv arbeitet, der kann schon um 7 Uhr im Unternehmen aufschlagen, dafür aber um 15 Uhr einen frühen Feierabend genießen. Wer hingegen den Morgen für sich braucht, um auszuschlafen, Sport zu treiben oder ausgiebig zu frühstücken, der kann alternativ vielleicht von 12 Uhr bis 20 Uhr arbeiten gehen.

In der Schnittmenge, in diesem Beispiel also zwischen 12 Uhr und 15 Uhr, gäbe es dann theoretisch Raum für Meetings, Teamsitzungen und andere Tagesordnungspunkte, bei denen jeder anwesend sein sollte.

Warum die Gleitzeit in der Ausbildung für Azubis so attraktiv ist

Dabei ist dieses Modell für Azubis natürlich insbesondere deswegen so attraktiv, weil es ihnen sämtliche Freiheiten lässt. Wer auch mal unter der Woche mit Freunden ausgehen möchte, kann am nächsten Tag ausschlafen. Wer hingegen am Nachmittag private Dinge zu erledigen hat, kann sich durch besonders frühes Aufstehen einen freien Nachmittag freischaufeln.

Somit kann die Gleitzeit in der Ausbildung durchaus zu den Dingen zählen, die Azubis motivieren – und zwar im ganz besonderen Maß. Allerdings steht dem die Meinung gegenüber, dass insbesondere junge Menschen Struktur brauchen.

Gleitzeit in der Ausbildung - Ausbilder und Azubis gleichzeitig anwesend
© Monkey Business, Fotolia.de

Plus- und Minusstunden als logische Konsequenz der Gleitzeitregelung

Die Kehrseite der Medaille lautet allerdings, dass die Gleitzeitregelung dazu führt, dass die Mitarbeiter selten exakt acht Stunden arbeiten. Grundsätzlich ist aus Betriebssicht deshalb ein Zeiterfassungssystem notwendig, damit eine gewisse Kontrolle stattfinden kann.

Manche Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern an, aufgebaute Überstunden in zusätzliche Urlaubstage zu verwandeln. Heißt also, wer im Zeiterfassungssystem 48 statt 40 Stunden in der Woche gearbeitet hat, der kann sich einen kompletten Tag mehr freinehmen als die Kolleginnen und Kollegen. Auch das ist natürlich eine äußerst motivierende Sache.

Allerdings ist es natürlich auch möglich, dass die Zeiterfassung am Monatsende ausspuckt, dass der Mitarbeiter acht Stunden zu wenig da war über den Monat verteilt. Sich einen Urlaubstag vom spärlichen Urlaubskonto abziehen lassen, will gewiss niemand. Insofern bleibt nur die Möglichkeit, die acht Stunden durch zukünftige Überstunden wieder reinzuholen.

Bei Azubis, die noch keine 18 Jahre alt sind, ist das allerdings praktisch unmöglich. Immerhin besagt das Jugendarbeitsschutzgesetz in § 8 Dauer der Arbeitszeit, dass acht Stunden am Tag, bzw. 40 Stunden in der Woche nicht überschritten werden dürfen. Hat der Azubi also einen Vertrag über die vollen 40 Stunden, geht es nicht, dass er etwaige Fehlstunden mit zukünftigen Überstunden wiedergutmacht. Genau das ist wohl auch der Hauptgrund, weswegen die Gleitzeit in der Ausbildung eher die große Ausnahme denn die Regel ist.

Unterschiedliche Arbeitszeiten von Ausbildern und Azubis

Ein zweiter Punkt, der der Gleitzeit in der Ausbildung ganz praktisch im Weg stehen kann, ist die Tatsache, dass Ausbilder und Azubis theoretisch eine zu geringe Schnittmenge haben könnten, in der sie sich am Arbeitstag sehen.

Zwar hat das Verwaltungsgericht Aachen in einem Urteil vom 20. Februar 1974 bereits festgehalten, dass eine ordnungsgemäße Durchführung der Berufsausbildung nicht die ununterbrochene Anwesenheit eines geeigneten Ausbilders in der Ausbildungsstätte voraussetzt. Allerdings ist auch in diesem Urteil von einer überwiegenden Anwesenheit die Rede.

Kurzum: Solange die Kernanwesenheit nicht um die fünf Stunden beträgt, sodass beispielsweise spätestens um 11 Uhr alle Mitarbeiter da sind und frühestens um 16 Uhr die ersten wieder nach Hause gehen dürfen, könnte es durchaus Konsequenzen nach sich ziehen, wenn die Azubis über den Großteil des Tages hinweg keinen physisch-anwesenden Ansprechpartner haben. Eine ähnliche Problematik gilt schließlich auch für das Homeoffice in der Ausbildung, mit dem ich mich schon in einem anderen Blogbeitrag befasst habe.

Pro und contra Gleitzeit in der Ausbildung

Angenommen, es lassen sich die angesprochenen Probleme vermeiden, so bliebe last, but not least, noch die Frage nach dem Pro und Contra von Gleitzeit in der Ausbildung.

Zum Abschluss möchte ich daher gerne noch die jeweiligen Vor- und Nachteile zusammentragen, die mit einer Gleitzeitregelung einhergehen.

Gleitzeit in der Ausbildung - Kernarbeitszeiten oder Absprache nötig
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Die Vorteile von Gleitzeit in der Ausbildung

Aus Sicht der Azubis liegen die Vorteile natürlich auf der Hand: Durch die Gleitzeitregelung lässt sich der Arbeitstag individuell an den eigenen Biorhythmus anpassen. Wer gerne lange schläft, muss nicht an den Wochenenden alles nachholen, sondern kann auch unter der Woche die Gleitzeit mal voll ausreizen. Und wer gerne früh aufsteht, aber nach Feierabend noch etwas von seinem Tag haben will, der kann morgens als Erster auf der Matte stehen.

Eine Gleitzeitregelung führt außerdem dazu, dass die Azubis insgesamt entspannter und vor allem auch motivierter sind. Wer beispielsweise jeden Tag von 9 Uhr bis 17 Uhr arbeitet, der kann mit entsprechender An- und Abreise praktisch immer nur im Urlaub zum Zahnarzt oder zum Bürgerdienst gehen. Insgesamt erhöht diese Flexibilität somit auch die Work-Life-Balance der Azubis.

Hinzu kommt, dass viele Azubis schon gestresst bei der Arbeit ankommen, weil die Startzeiten zumeist mit den Stoßzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel zusammenfallen, auf die ein Großteil aller jungen Menschen nun einmal angewiesen ist. Schon eine halbe Stunde später zu kommen, kann die Anreise potenziell deutlich entspannter machen.

Die Nachteile von Gleitzeit in der Ausbildung

Wie bereits angesprochen, braucht ein Unternehmen zunächst ein Zeiterfassungssystem. Dieses kostet nicht nur Geld, sondern erfordert auch einen gewissen Verwaltungsaufwand. Zumeist muss ein Mitarbeiter, beispielsweise aus der Personalabteilung, zusätzlich Protokoll darüber führen, wer wie viele Plus- und Minusstunden gesammelt hat, bzw. die Zahlen aus dem Zeiterfassungssystem im Blick behalten.

Hinzu kommt, dass die Planbarkeit bei Betrieben mit Gleitzeit deutlich geringer ist. Die Zahl der Mitarbeiter, die von 7 Uhr bis 15 Uhr kommen, und derer, die 12 Uhr bis 20 Uhr bevorzugen, wird in den seltensten Fällen homogen sein. Vor diesem Hintergrund könnte es zu temporärer Unterbesetzung und Engpässen kommen, die je nach Branche ausgesprochen problematisch sein können. Dementsprechend dürften wiederum einige Absprachen erforderlich sein, durch die die komplett freie Gleitzeit schnell an ihre Grenzen stoßen könnte.

Auch die Azubis haben aber nicht nur Vorteile aus der Gleitzeit. Immerhin tragen sie selbst die Verantwortung dafür, dass die eigene Arbeit fertig wird. Und das kann durchaus dazu führen, dass die Work-Life-Balance sich eben nicht verbessert, sondern dramatisch verschlechtern. Am Ende des Monats ein bis zwei Urlaubstage mehr zu erhalten, weil praktisch jeden Tag ein bis zwei Überstunden fällig werden, um die Arbeiten auszuführen, wiegt den daraus entstehenden Stress nur sehr bedingt auf.

Gleitzeit in der Ausbildung – das Fazit

In diesem Beitrag habe ich Ihnen die Gleitzeit in der Ausbildung vorgestellt. Rechtlich ist sie nicht völlig unkompliziert– insbesondere wegen des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Durchführbar ist sie theoretisch aber.

Umso wichtiger ist es, dass Sie die von mir aufgelisteten größten Vorteile und Nachteile auf sich wirken lassen und bei Ihrer Wahl berücksichtigen, ob Sie Ihren Azubis die Gleitzeit offerieren möchten oder nicht.

Abschließend interessiert mich natürlich Ihre Meinung und sofern vorhanden auch Ihre Erfahrung dazu. Was halten Sie davon, die Gleitzeitregel in der Ausbildungssituation zu nutzen? Wie waren Ihre Erfahrungen mit der Gleitzeit? Gab es Probleme, die ich in diesem Beitrag nicht bedacht habe? Oder vermissen Sie weitere essenzielle Vor- und Nachteile der Gleitzeit?

Ich freue mich, wenn wir über diese Fragen ins Gespräch kommen. Am einfachsten geht das, wenn Sie Teil meiner Facebook-Community werden. Dort können wir gemeinsam mit mehreren Hundert Ausbildern und Azubis über dieses spannende Thema diskutieren.

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