Die Ausbildung im Kleinbetrieb genießt nicht den allerbesten Ruf.

Despektierlich werden kleine Unternehmen mit nur wenigen Festangestellten gerne als „Klitsche“ bezeichnet. Die Hierarchien sind nicht selten komplett flach. Zudem sind Chef, Personaler und Ausbilder mitunter gar ein und dieselbe Person.

Umso stärker werden Azubis bei der Ausbildung im Kleinbetrieb von Anfang an in die Praxis miteingebunden. Hinzu kommt eine oftmals familiäre Atmosphäre. Man kennt sich im Gegensatz zu Großunternehmen in Kleinbetrieben.

Doch ist die Ausbildung im Kleinbetrieb nun empfehlenswert oder nicht? Was spricht dafür? Was spricht dagegen? Und für wen eignet sich die Ausbildung im Kleinbetrieb am meisten? Diesen Fragen wende ich mich in meinem heutigen Blogartikel zu.

Die Ausbildung im Kleinbetrieb fördert die Eigeninitiative

Zwar gibt es bemerkenswert gut organisierte Kleinbetriebe. In der Regel sollte ein großes Unternehmen allerdings deutlich bessere Strukturen aufweisen können. Alleine schon, weil sich die Verantwortung auf derartig viele Schultern verteilt, dass bei kurzfristigen Planänderungen, die überall zum Alltag dazugehören, keine allzu großen Wellen geschlagen werden. Zumindest ist deutlich weniger Flexibilität gefragt als im Kleinbetrieb, wo nur wenige Mitarbeiter nun eine Lösung für die neue Situation finden müssen.

Ein Azubi im Großunternehmen dürfte also nur in absoluten Ausnahmefällen in Situationen geraten, in denen der Ausgang des Arbeitstages ungewiss ist. In denen möglicherweise Überstunden erforderlich sind (Achtung: Das Jugendarbeitsschutzgesetz sieht hierzu klare Richtlinien vor). In denen aber mindestens die Verteilung der Aufgaben improvisiert werden muss.

Arbeitet ein typischer Azubi in einem großen Betrieb zumeist strikt nach Ausbildungsrahmenplan, so muss bei der Ausbildung im Kleinbetrieb oftmals bereits im allerersten Lehrjahr und von Anfang an dort zugepackt werden, wo es brennt.

Wieso die Ausbildung im Kleinbetrieb prägend ist für den späteren beruflichen Werdegang

Von Anfang an dort zum Einsatz zu kommen, wo man gebraucht wird, bedeutet übrigens nicht, dass bei der Ausbildung im Kleinbetrieb die Vermittlung des entscheidenden Wissens zu kurz kommt. Vielmehr läuft viel Wissenserwerb über den Beruf, bzw. die Branche aber praktisch und nicht etwa theoretisch ab.

Ausbildung im Kleinbetrieb - Chef und Personaler in einer Person
© Sergey Nivens, Fotolia.de

Das bedeutet, dass ein Azubi im Kleinunternehmen viel früher ins kalte Wasser geworfen wird. Und das vermittelt ein hohes Maß an Eigeninitiative und Flexibilität. Eigenschaften, die bei der Suche nach späteren Arbeitgebern den Unterschied machen.

Wer also zunächst drei Jahre lang in einem kleinen Unternehmen ausgebildet wurde, der dürfte vermutlich weniger Probleme damit haben, in einem großen Betrieb sofort eine verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen als anders herum.

Wer schließlich im Großbetrieb eher behütet seine Ausbildung durchlaufen hat und wenig eigene Entscheidungen zu treffen hatte, der kommt bei Festanstellung in einem kleinen Unternehmen möglicherweise viel schneller an seine Grenzen.

Großbetrieb vs. Kleinunternehmen – ist es am Ende eine Frage des Typs?

Nun ist jeder Mensch verschieden. Sagt man der Generation Z zwar nach, dass sie so früh wie möglich das Maximum an Verantwortung übernehmen möchte, so gibt es dennoch eine Reihe von Azubis, denen das eine Nummer zu schnell gehen könnte.

Wer also gerade im ersten Lehrjahr erst einmal behutsam in den Job eingeführt und an die Hand genommen werden möchte, der ist in einem größeren Unternehmen möglicherweise besser aufgehoben. Schließlich kommt noch hinzu, dass kleine Unternehmen oft nur sehr wenige Azubis pro Lehrjahr annehmen. Alleine schon, weil die Anzahl der Ausbilder begrenzt ist und diese selbst in den Arbeitsalltag eingebunden sind.

Lesen Sie auch: Wie viele Azubis pro Ausbilder in Deutschland erlaubt sind

Umgekehrt kommt es Schätzungen zu Folge gerade bei der Ausbildung im Kleinbetrieb immer mal wieder vor, dass man es mit den Rahmenbedingungen einer Ausbildung nicht allzu genau nimmt. Teils, weil man es nicht besser weiß. Teils aber auch, weil in Kleinunternehmen alle an einem Strang ziehen müssen, um große Projekte zu stemmen, was sich schnell auch auf die Azubis überträgt.

Azubis, die im Kleinbetrieb arbeiten, sollten ihre Rechte und Pflichten genau kennen

Normalerweise wäre es an dem Ausbilder, über sämtliche Rechten und Pflichten Bescheid zu wissen und besten Wissens und Gewissens danach zu handeln. Das ist allerdings in kleinen Betrieben nicht immer der Fall. Wo aber zumeist keinerlei Betriebsräte oder Gewerbschaften existieren, während der Personaler und der Chef zudem ein und dieselbe Person sind, fehlt zudem ein Ansprechpartner, wenn es zu Probleme oder Unstimmigkeiten kommt.

Zudem fehlt meist die Zeit, um den Azubis richtig Feedback zu geben. Dabei gehört es zu den zentralen Aufgaben eines Ausbilders, regelmäßig eine Azubi Leistungsbeurteilung durchzuführen.

Ausbildung im Kleinbetrieb - wenige Mitarbeiter
© kantver, Fotolia.de

Wer sich also auf eine Ausbildung im Kleinbetrieb einlässt, der sollte sich daher über seine eigenen Rechte und Pflichten informieren. Das bedeutet, dass ein Azubi unter anderem die folgenden Dinge wissen sollte:

Wie geht es nach der Ausbildung im Kleinbetrieb weiter?

Last, but not least, möchte ich noch auf die Zukunftsperspektiven schauen. Denn diese sind in kleinen Unternehmen zumeist begrenzt. Durch die eingangs angesprochenen flachen Hierarchien sind die Aufstiegsmöglichkeiten hier und da bereits mit der ersten Festanstellung nach abgeschlossener Ausbildung erschöpft. Wer also auf der Karriereleiter aufsteigen möchte, muss sich fast immer anderweitig orientieren.

Umso besser, dass ein Azubi, der drei Jahre lang viel Eigenverantwortung und Initiative in einem kleinen Betrieb gelernt hat, in einem Großunternehmen anschließend sehr schnell Fuß fassen kann. Die nötige Flexibilität hat er schließlich in den meisten Fällen bereits gelernt.

Dennoch ist der Weg, zunächst im Kleinbetrieb alles von der Pike auf zu lernen, ehe die Karriereleiter im Großunternehmen hochgeklettert wird, keineswegs reibungslos. Problematisch ist nämlich, dass viele große Betriebe heutzutage langfristig auf ihre verantwortungsvollen Positionen hinplanen. Das Ausbilden für den Eigenbedarf ist in Zeiten von Fachkräftemangel in Deutschland ein höchst relevantes Thema geworden.

So lassen sich Azubis schließlich gezielt prägen und entsprechend ihrer Eignung, die während der Ausbildung vergleichsweise kostengünstig überprüft werden kann, fördern. Große Betriebe legen nicht selten Wert auf Fortbildungen und stecken ihre vielversprechendsten Azubis fernab von Arbeitsalltag und Berufsschule vorzeitig in teure Seminare.

Schlussendlich läuft es aber auch an diesem Punkt wieder darauf hinaus, welche Art von Typ der Azubi ist.

Das Fazit

Festzuhalten ist also, dass die Ausbildung im Kleinbetrieb keineswegs besser oder schlechter ist als die Ausbildung im Großunternehmen. Am treffendsten ist es daher wohl, sie schlicht und ergreifend als anders zu beschreiben. Und das soll fernab von jedweder Wertigkeit verstanden werden.

Ebenfalls festzuhalten ist, dass die Qualität der Ausbilder nicht mit Größe des Unternehmens steigt. So ist die Frage, ob jemand zum Ausbilder geeignet ist, im ersten Schritt nur individuell zu beantworten. Das fachliche Know-how und die nötige Erfahrung muss jeder angehende Ausbilder ohnehin nachweisen, wenn er oder sie selbst zum Ausbilder ausgebildet wird.

Oder mit anderen Worten: Den Ausbilderschein macht.

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